Geschichte

1952 rief der Fussballclub die Schaaner Fasnacht ins Leben und hat damit den Grundstock dafür gelegt, dass Schaan noch heute als die Narrenhochburg des Landes gilt.

Weil das Geld in der Kasse für die notwendigen Ausgaben nicht reichte, wurde am Fasnachtssonntag 1952 der erste Umzug organisiert und unter das damals noch unverfängliche Motto „Kenia-Niggers gegen Hollywood-Stars“ gestellt. Die Brauerei Haldengut und das Café Risch stellten je ein Fahrzeug zur Verfügung; sie wurden von Friedrich Kaufmann und Güst Hilti bemalt und dekoriert. Maler Markus Jehle schminkte die Teilnehmer und schon konnte der Umzug beginnen. In Schaan säumten zunächst noch wenige Schaulustige die Strassen und dementsprechend gab es für die mit Blechbüchsen Spenden sammelnden Vorstandsmitglieder zu verdienen. Daher beschlossen die Umzugsteilnehmer einen Abstecher nach Vaduz. Dort stiess die Absicht, ebenfalls ein paar Franken zu kassieren, auf wenig Gegenliebe und der Wirt des Restaurant Adler erklärte den Schaanern, dass sie sich gefälligst wieder dorthin zurückziehen sollten, wo sie hin gehörten. Der Rat war zwar möglicherweise nicht gut gemeint. Gut war er dennoch. Zurück in Schaan fanden die Fussballer trotz der kalten Witterung eine staatliche Anzahl Zuschauer vor, die ihren Obolus entrichteten und den Umzug zum Flugplatz begleiteten.

1953 war die zweite Auflage des Umzugs bereits organisiert. Die Veranstaltung wurde schliesslich aber aufgrund eines tragischen Unfalltods abgesagt.

Auch im folgenden Jahr kam kein Umzug zustande, während 1955 wieder ein solcher organisiert wurde, allerdings in bescheidenem Umfang.

1956 sorgte der Fussballclub aber wieder für ein grösseres fasnächtliches Spektakel. Dr Flett wörd verschossa war das Programm.

Ein letztes Mal unter der alleinigen Regie des FC Schaan stand die fanschat 1957, als ein Umzug mit nur drei Wagen sich durch das Dorf bewegte. Dennoch schlossen sich viele Einwohner diesem Zug an.

Im Herbst 1957 wurde die Verantwortung für die Fasnacht an das Vereinskartell übertragen, da der Anlass für den Fussballclub zu gross geworden war. 1958 beteiligten sich bereits 17 Gruppen am Umzug.

Es erschien die erste Fasnachtszeitung unter dem Namen „Spottnik“.

Bis 1963 wurde jedes Jahr ein Umzug durchgeführt. 1964 verhinderte die Maul- und Klauenseuche im Lande die Durchführung eines Umzugs. 1991 wurde wegen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Golfregion im Nahen Osten die Schaaner Fasnacht abgesagt.

Quelle: Jetz muass afach eppis goo!! 60 Jahre FC Schaan 1949-2009


Das Fasnachtsgeschehen ist bei uns auf die sechs Tage vor Aschermittwoch festgelegt. Der Termin der Fasnacht bezieht sich also auf die Fastenzeit und damit auf den kirchlichen Kalender.

In der Fasnacht stehen das Vergnügen, das Essen und Trinken im Mittelpunkt und die gesellschaftlichen Normen sind für viele einige Tage ausser Kraft gesetzt.

Heute machen sich auch in unserer heimischen Fasnacht überall fremde Einflüsse bemerkbar. Sie kommen vor allem vom rheinischen Karneval und von der Schweizer Fasnacht. Manches einheimische Fasnachtsbrauchtum ist dadurch in den Hintergrund gedrängt worden, und Guggenmusik und Büttenredner haben ihren Einzug gehalten.

Am Schmutzigen Donnerstag beginnt die eigentliche Fasnacht. In den folgenden sechs Tagen bis Aschermittwoch verdichtet sich das fasnächtliche Treiben mehr und mehr. Der Schmutzige Donnerstag hat gegenüber den anderen fasnächtlichen Tagen mit dem „Suppenhafenstehlen“ und dem „Ruassla“ seine Besonderheiten. Während das erstere nicht mehr mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie früher gepflegt wird und selten geworden ist, erfreut sich das „Ruassla“ vor allem bei den Kindern nach wie vor grosser Beliebtheit.

In einigen Gemeinden des Landes gibt es Fasnachtsumzüge. Sie sind die spektakulären Höhepunkte auf dem fasnächtlichen Schauplatz eitler und vergänglicher Freuden. Die Hauptelemente eines Umzuges bilden buntes Maskentreiben von Jung und Alt und die Fasnachtswagen, die bühnenartig an den Zuschauern vorbeiziehen und Ereignisse aus Politik und Zeitgeschehen humorvoll und ironisch darstellen.

Die grössten Umzüge finden heute in Schaan, Vaduz und in Triesenberg.

Zu einem festen Bestandteil der Fasnachtsumzüge und Fasnachtsunterhaltungen in unserem Lande sind die Guggenmusiken geworden. In Liechtenstein liegen die Anfänge der Guggenmusiken in den fünfziger Jahren als Schweizer Gastgruppen an der Schaaner Fasnacht teilnahmen. Als erste machte die Gruppe „Barfussneger Lozern“ mit. Das Beispiel machte Schule, und im Jahre 1971, erfreute die „Schaaner Guggenmusik“ als erste einheimische Gruppe die Zuhörer mit ihrem infernalischen Lärm. Drei Jahre später folgte die Gruppe „Minigugge“, jetzt „Plunderhüüsler“. Heute gibt es in mehreren Gemeinden Guggenmusiken.

„Röfischrenzer in Schaan (seit 1971), „Plunderhüüsler“ in Schaan (seit 1973), „Ratatätsch“ in Schaan (seit 1998) „Moschtgügeler“ in Triesen (seit 1976), „Wildmanndli-Gugga“ in Triesenberg (seit 1980), „Tuarbaguger“ in Eschen (seit 1982),„Pföhrassler“ in Balzers (seit 1989), „Törmleguger“ in Vaduz (seit 1974)

Eine alte Institution der liechtensteinischen Fasnacht sind die „Fasnachtszeitungen“, die in gewisser Weise die dörflichen „Rügegerichte“ unserer Vorfahren erinnern, wenn sie das Dorf- und Landesgeschehen in humorvoller und witziger Weise kritisch kommentieren. Kaum einer, der sich im verflossenen Jahr etwas zuschulden hat kommen lassen, sei es nun wissentlich oder unwissentlich, kommt hier ungeschoren davon.

Quelle: Adulf Peter Goop: Brauchtum in Liechtenstein ©1986 Liechtensteinische Trachtenvereinigung, Vaduz